Magento bleibt auch unter Adobe auf Kurs, und nimmt weiter Fahrt auf. Unsere Eindrücke von der Magento Europe Live in Barcelona.

Fast 2000 Teilnehmer, das größte Magento Event jemals in Europa, und ein Sack voller Neuerungen und Ankündigungen. Nicht nur deswegen haben wir diesem Treffen von Magento Spezialisten, Entwicklern und Anwendern mit Spannung entgegengesehen. Vor allem durfte man gespannt sein, welche Richtung Magento nun unter der Federführung von Adobe nach der kürzlich erfolgten Übernahme einschlagen wird.

 

Committment zu Community und Open-Source

Soviel vorneweg: Nach unserem Eindruck wird sich Magento noch rascher weiterentwickeln. Zudem wurde vielfach mit großem Nachdruck betont, dass die Community in Verbindung mit dem Open-Source Gedanken weiterhin das Fundamenten von Magento darstellt.

So betonte Marc Lavelle, Senior Vice President of Commerce bei Adobe und ehemaliger Magento-CEO, das weiterhin bestehende Committment zu Kunden aller Größen, zu den Partnern, zur Community und dem Open-Source-Gedanken.

Jason Woolsey, VP, Commerce Product & Platform Experience, hob den technologischen Führungsanspruch von Magento hervor: „We’re as committed as ever to delivering superior shopping experiences, innovating in ecommerce, and providing an open platform that supports a vibrant ecosystem of developers and partners.“ 

PWA, Magento 2.3 und Adobe Cloud Integration als zentrale Themen

Die aus unserer Sicht am meisten diskutierten Themen, die Shopbetreibern den meisten greifbaren Nutzen bringen werden, waren Progressive Web Apps (PWA), die Integration mit den Adobe Cloud Produkten sowie die kommende neue Version von Magento.

Das wird Magento 2.3 bringen

Schwerpunkt des noch im November 2018 erwarteten Releases sind Themen wie Content Creation, Online Marketing und dynamische Frontends. Die Magento 2.3 Highlights:

Page Builder

Dieser visuelle CMS-Editor wird – als Nachfolger von Bluefoot – Shopbetreibern eine sehr komfortable Möglichkeit zum Erstellen und Bearbeiten von Content innerhalb von Magento bieten. Echtes WYSIWYG und eine Vielzahl vorgefertigter Content-Typen sorgen für minimale Einarbeitung und hohe Produktivität.

Besonderen Wert hat Magento auf Erweiterbarkeit gelegt. Agenturen wie interSales werden damit in der Lage sein, schnell und effektiv weitere Content-Types für Shopbetreiber zu erstellen.

Nach unserer Einschätzung werden damit künftig die meisten Websites kein separates CMS wie TYPO3 oder WordPress mehr benötigen, sondern alles integriert innerhalb von Magento erledigen. Allerdings wird es den Page Builder zunächst nur für die Bezahlversion Magento Commerce geben. Page Builder wird auch für die Open-Source Edition kommen, jedoch konnte man auf dem Event seitens Magento kein Datum nennen.

PWA

Mit Version 2.3 wird Magento seine erste Version einer Progressive Webapps Implementierung namens PWA Studio herausbringen. Das Paket wird laut Magento umfassen:

  • einen kompletten PWA-Softwarestack
  • Magento Headless Modus
  • fertige Frontendthemes, je eines für B2C und B2B Shops
  • GraphQL-API für die Kommunikation zwischen Frontend und Backend

Magento Payments

2019 geht Magentos hauseigener Payment-Service-Dienst namens Magento Payments an den Start. Der Service setzt auf der Paypal-Tochter Braintree auf und intgriert neben vielen gängigen Zahlungsmethoden auch den Paypal Checkout sowie den Fraud-Protection-Dienst von Signifyd.

Suche

Das in Magento Commerce integrierte Advanced Search basierend auf ElasticSearch reift endlich zur ernstzunehmenden Alternative, nicht nur durch die dann endlich out-of-the box integrierte Autocomplete-Funktion, sondern durch verbesserte Relevanz auf Basis von maschinellem Lernen und durch neue APIs, um Conversational Search zu unterstützen. Auch die Open-Source Edition wird von einigen Erweiterungen profitieren.

Enhanced Content Staging

Der in Magento Commerce schon vorhandene Mechanismus für zeitgesteuerte Content-Updates und Live-Preview wird deutlich optimiert. So wird es Unterstützung für alle Produkttypen geben sowie ein Staging für Produktzuweisungen zu Kategorien. Außerdem wird Page Builder voll in den Scheduler integriert werden.

Integration von Marktplätzen

2019 wird eine umfassende Anbindung aus dem Magento-Backend direkt an Amazon bringen – von der Verwaltung des Listings, über den Import der Kundenbestellung bis hin zum Dynamic-Pricing-Tool von Amazon. Das Beste daran: Auch die kostenfreie Magento Open-Source Edition (aka Community Edition) wird davon profitieren.

Weitere Sales-Channel-Integrationen für Google Shopping, Bing, Facebook Marketplace, Instagram, eBay und weitere sind laut Magento bereits in Arbeit.

Desweiteren wird es mit Magento 2.3 eine Integration der Sponsored-Product-Kampagnen aus der Amazon-Sellercentral und dem Amazon-Advertising-Tool (ehemals AMS) sowie Google-Produktanzeigen geben.

Strategischer Schwerpunkt Adobe+Magento

Dass die Übernahme von Magento für das Adobe-Schwergewicht mehr als nur ein strategisches Vorhaben ist, wurde nicht nur in den Keynotes sehr deutlich.

Magento soll in die Enterprise Software von Adobe die Transaktionsfähigkeit einbringen. Zugleich soll Magento die führend E-Commerce-Software werden durch datengetriebenen Commerce: Sammlung und Auswertung von Nutzer- und Nutzungsdaten über alle Kanäle hinweg sollen einfließen in gezielte Kundensegmentierung und -ansprache sowie personalisierte Recommendations

Erste Integrationen wird es in 2019 geben mit den Adobe-Services Adobe Analytics sowie Adobe Target aus der Adobe Experience Cloud. Adobe Analytics bringt Web Analytics und Customer Intelligence Erkenntnisse. Adobe Target sorgt für automatisierte Personalisierung mit den in Analytics aggregierten Daten und wird im Magento-Backend integriertes A/B Testing sowie Multivariate Testing bringen. Erste Integrationsansätze wurden in einer kurzen Demo vorgeführt.

Darüber, wie sich die Kosten für Magento Commerce unter Adobe entwickeln werden und mit welchen Kosten für die Adobe-Produkte für Magento-Händler zu rechnen ist, wurde bislang nichts bekannt.

Unser Fazit

Magento ist auch unter Adobe auf Kurs. Online-Marketer und bestehende Adobe Kunden dürften stark von der kommenden Integration mit den Adobe Enterprise Cloud Produkten profitieren.

Das kommende Release 2.3 wird dabei Magentos führende Marktstellung weiter untermauern durch Innovationen wie PWA und Page Builder.

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